{"id":77,"date":"2013-02-23T13:46:11","date_gmt":"2013-02-23T12:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/german-book-translator.de\/?p=77"},"modified":"2013-06-19T07:37:43","modified_gmt":"2013-06-19T06:37:43","slug":"gelesen-jane-eyre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.german-book-translator.de\/index.php\/gelesen-jane-eyre\/","title":{"rendered":"Gelesen: Jane Eyre"},"content":{"rendered":"<p>Von Mitte November bis in die erste Dezemberwoche l\u00e4uft in Karlsruhe die beliebte <strong><a title=\"Karlsruher B\u00fccherschau\" href=\"http:\/\/www.buecherschau.de\" target=\"_blank\">Karlsruher B\u00fccherschau<\/a><\/strong> &#8211; ein Fest f\u00fcr Leser und B\u00fccherst\u00f6berer mit zahlreichen Veranstaltungen und Lesungen rund ums Buch. 2012 besuchte ich unter anderem die rundum gelungene Lesung und Teeverkostung <strong>\u201eZum Tee mit Jane Austen\u201c<\/strong>. Dieser Abend sowie eine englische Konversationsrunde, die sich unversehens zum Lesekreis entwickelte, brachten mich darauf, mal wieder einige englische Klassiker hervorzukramen.<\/p>\n<h3>Charlotte\u00a0Bront\u00eb als Kindle-Fassung<\/h3>\n<p>Mit <strong>Jane Austen<\/strong> und <strong>George Eliot<\/strong> habe ich mich bereits gr\u00fcndlich besch\u00e4ftigt, mit den drei Bront\u00eb-Schwestern aus dem englischen Yorkshire hingegen weniger.<!--more--> 1847 ver\u00f6ffentlichte die Pfarrerstochter <strong>Charlotte Bront\u00eb <\/strong>ihren Roman \u201eJane Eyre &#8211; eine Autobiographie\u201c unter ihrem m\u00e4nnlichen Pseudonym Currer Bell. Die erste \u00dcbersetzung ins Deutsche erfolgte bereits 1848 durch Ernst Susemith.<\/p>\n<p>Als <strong>Urlaubslekt\u00fcre <\/strong>habe ich mir auf dem <strong>Kindle <\/strong>die lesefreundlich bearbeitete deutsche Originalausgabe von Reclam geg\u00f6nnt (Leipzig 1918), die 2011 im <strong><a title=\"Jane Eyre als ebook im Null Papier Verlag\" href=\"http:\/\/www.null-papier.de\/jane\" target=\"_blank\">Null Papier Verlag<\/a><\/strong> digital erschienen ist. Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen stammt von Maria von Borch, die Bearbeitung ist von J\u00fcrgen Schulze. Die Klassiker im Null Papier Verlag werden zu unschlagbaren <strong><a title=\"Klassiker im Null Papier Verlag\" href=\"http:\/\/www.null-papier.de\/99cent\" target=\"_blank\">99 Cent<\/a><\/strong> angeboten. F\u00fcr diesen Preis erh\u00e4lt man eine behutsam modernisierte Fassung alter \u00dcbersetzungen, das hei\u00dft, die Rechtschreibung ist angepasst, und Optik, Interaktivit\u00e4t und Handhabung entsprechen dem modernen Medium.<\/p>\n<h3>Warum 2013 eine \u00dcbersetzung von 1918 lesen?<\/h3>\n<p>Das Reizvolle an der alten \u00dcbersetzung ist das Gef\u00fchl, der Welt des 19. Jahrhunderts ein St\u00fcckchen n\u00e4her zu r\u00fccken. Die Sprache wirkt langsamer und bewusster als heute. Wendungen wie \u201eScharlachrote Draperien schlossen mir die Aussicht zur rechten Hand; (&#8230;)\u201c, oder \u201eEine sonderbare Idee bem\u00e4chtigte sich meiner\u201c, klingen f\u00fcr heutige Ohren ungewohnt und haben heute allenfalls noch Raum in der gehobenen Literatur. Sie versetzen den Leser jedoch in eine <strong>wildromantische Atmosph\u00e4re<\/strong>, als w\u00fcrde man mitten in die Bilder von Caspar David Friedrich oder John Constable hineinspazieren.<\/p>\n<h3>Und warum \u00fcberhaupt &#8222;Jane Eyre&#8220; lesen?<\/h3>\n<p>Zeitlos erscheint der Freiheitsdrang der Heldin, die sich mit Ungerechtigkeit ebenso wenig abfinden mag wie mit Menschen, die zu wissen glauben, welche Stellung einem jeden gem\u00e4\u00df seiner Herkunft und seines Einkommens im Leben geb\u00fchrt. Bildung und Mobilit\u00e4t stellen Jane Eyres Fahrkarten in ein selbstbestimmtes Leben dar.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00e4mpft sie voller Leidenschaft um ihre Selbstachtung, um eine gewisse Selbstst\u00e4ndigkeit als gebildete, berufst\u00e4tige Frau, aber auch um das Recht, im Leben geliebt zu werden &#8211; dieses Recht fordert das Waisenkind Jane mit gro\u00dfer Vehemenz f\u00fcr sich ein. Mit sich und anderen ringt sie um die Freiheit, ihren eigenen Grunds\u00e4tzen gem\u00e4\u00df leben und lieben zu d\u00fcrfen. Immer wieder b\u00e4umt sich Jane gegen selbst ernannte Besch\u00fctzer auf, die zu wissen glauben, was f\u00fcr sie das Richtige ist. Unbeirrbar sucht sie ihren eigenen Weg, mal tastend, mal gut \u00fcberlegt, mal \u00fcberst\u00fcrzt &#8211; Herz und Verstand wissen, wann sie einander den Vortritt zu geben haben. Das ist Emanzipation pur, Jahre vor den Suffragetten und h\u00f6chst individuell.<\/p>\n<p>Der Inhalt (ungeliebtes Waisenm\u00e4dchen \u00fcberlebt trotz mangelnder F\u00fcrsorge ihre kalte, karge Jugend, lernt im Internat genug, um als Gouvernante und Lehrerin auf eigenen F\u00fc\u00dfen zu stehen, verliebt sich und heiratet schlie\u00dflich, obwohl sie weder besonders sch\u00f6n noch besonders reich ist, also nicht gerade eine gute Partie) tritt gegen\u00fcber den Bildern, den Denkanst\u00f6\u00dfen und der romantischen Szenerie eher in den Hintergrund. Das Lesen war mir ein Genuss und hat mich in eine andere Zeit entf\u00fchrt.<\/p>\n<h3>F\u00fcr Eilige auch in bildgewaltiger Verfilmung<\/h3>\n<p>Als Klassiker der englischen Literatur wurde &#8222;Jane Eyre&#8220; bereits rund zwei Dutzend Mal verfilmt, zuletzt 2011 mit Mia Waikowska in der Hauptrolle. Eine wunderbare Kritik dazu schrieb Elmar Krekeler f\u00fcr <em>Die Welt<\/em>: <a title=\"Jane Eyre Verfilmungen\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article13742738\/Der-neue-Jane-Eyre-Film-ist-eine-Gothik-Romanze.html\" target=\"_blank\">&#8222;Der neue &#8218;Jane Eyre&#8216;-Film ist eine Gothik-Romanze&#8220;<\/a>. Wie sch\u00f6n, dass dank eBook-Fassung nun im Regal noch Platz f\u00fcr die DVD ist!<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Lesenswert insbesondere f\u00fcr Frauen, die mal etwas anderes wollen als Krimis und Bestseller. Wer keine Mu\u00dfe zum Lesen findet (schade!), kann auch den Film sehen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/28eca13039c744d88ea6380addbd5ac4\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mitte November bis in die erste Dezemberwoche l\u00e4uft in Karlsruhe die beliebte Karlsruher B\u00fccherschau &#8211; ein Fest f\u00fcr Leser und B\u00fccherst\u00f6berer mit zahlreichen Veranstaltungen und Lesungen rund ums Buch. 2012 besuchte ich unter anderem die rundum gelungene Lesung und Teeverkostung \u201eZum Tee mit Jane Austen\u201c. 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