{"id":635,"date":"2020-12-17T18:53:36","date_gmt":"2020-12-17T17:53:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.german-book-translator.de\/?p=635"},"modified":"2020-12-22T11:20:58","modified_gmt":"2020-12-22T10:20:58","slug":"buchbranche-im-homeoffice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.german-book-translator.de\/index.php\/buchbranche-im-homeoffice\/","title":{"rendered":"Buchbranche im Homeoffice"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_636\" style=\"width: 2866px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.german-book-translator.de\/index.php\/buchbranche-im-homeoffice\/img_20201121_174441\/\" rel=\"attachment wp-att-636\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-636\" class=\"size-full wp-image-636\" src=\"https:\/\/www.german-book-translator.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201121_174441.jpg\" alt=\"\" width=\"2856\" height=\"2640\" srcset=\"https:\/\/www.german-book-translator.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201121_174441.jpg 2856w, https:\/\/www.german-book-translator.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201121_174441-300x277.jpg 300w, https:\/\/www.german-book-translator.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201121_174441-768x710.jpg 768w, https:\/\/www.german-book-translator.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201121_174441-1024x947.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2856px) 100vw, 2856px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-636\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Imke Brodersen<\/p><\/div>\n<p><em>Dezember 2020.\u00a0<\/em>Normalerweise schicke ich im Advent dankbare Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe an die Lektoren und Lektorinnen meiner Verlage, gern mit einer pers\u00f6nlichen Bemerkung. Aber wie erreiche ich Sie dieses Jahr? Und wohin soll ich etwas schicken?<\/p>\n<p>Die ausgefallene Buchmesse Leipzig war im M\u00e4rz der erste harte Schnitt, die massiv gekappte Frankfurter Buchmesse im Oktober der zweite. Dort kann ich normalerweise Menschen pers\u00f6nlich begegnen, mit denen ich sonst nur maile oder telefoniere, <!--more-->ob Lektoren oder Kolleginnen. Ich liebe es, mich zwischen den Terminen treiben zu lassen, zu schauen, was andere Verlage machen, was im Ausland passiert, oder das eine oder andere Interview anzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten ist Frankfurt f\u00fcr mich gesetzt &#8211; und ebenso klar war stets, dass ich hinterher eine Woche fett erk\u00e4ltet zu Hause sitze. Das geh\u00f6rte so selbstverst\u00e4ndlich zur Buchmesse wie die \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcge und die langen Schlangen vor den duftenden Spezialit\u00e4ten des Gastlands. Allerdings keineswegs f\u00fcr alle &#8211; seit der ersten SARS-Epidemie trugen Menschen aus Asien sicherheitshalber gern die typischen blau-wei\u00dfen Masken. Was wir Europ\u00e4er zur Kenntnis nahmen, ohne selbst mal auf die schlaue Idee zu kommen, dass die \u00dcbertragung von Atemwegserkrankungen auf Massenveranstaltungen vielleicht doch kein unabwendbares Schicksal sein muss, und somit auch selbst Maske zu tragen.<\/p>\n<h3>B\u00fcchermenschen im Homeoffice<\/h3>\n<p>Stattdessen sitze nun nicht nur ich im Heimb\u00fcro (das ist f\u00fcr selbstst\u00e4ndige Literatur\u00fcbersetzer normal), sondern praktisch alle, die nur irgend k\u00f6nnen (was von der Vernunft in der Branche zeugt). Das Gehirn ist zu mindestens einem Viertel damit blockiert, die jeweils neuesten Regeln zu verinnerlichen, und mit dem Rest der Kapazit\u00e4t bem\u00fchen wir uns, zwischen Videokonferenzen und Social Media konzentriert zu arbeiten, das Coronavirus-Update zu inhalieren (okay, das ist wohl eher mein Medizin\u00fcbersetzerding) und den Kontakt zur realen Welt zu halten.<\/p>\n<h3>Kreative Buchbranche<\/h3>\n<p>Fasziniert habe ich registriert, wie zielstrebig &#8222;meine&#8220; Verlage ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Sicherheit gebracht haben. Ich habe Instagram-Kan\u00e4le abonniert und konnte vor lauter &#8222;Muss-ich-sofort-lesen&#8220;-Neuerscheinungen &#8211; die meine kleine inhabergef\u00fchrte Buchhandlung vor Ort direkt ins Haus liefert &#8211; nat\u00fcrlich wieder nicht den Stapel ungelesener B\u00fccher abbauen. Mein Buchh\u00e4ndler hat sich selbst \u00fcbertroffen mit intelligenten Marketing-Ma\u00dfnahmen und exzellentem Kundenservice, und es waren Menschen wie er und seine Crew, die trotz aller ausgefallener Veranstaltungen die Buchbranche gerettet haben &#8211; so wie es Estelle Traxel und Andreas Meyer im <a href=\"https:\/\/buchmarkt.de\/meldungen\/die-independents-haben-der-buchbranche-pardon-den-arsch-gerettet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview auf Buchmarkt.de<\/a> beschreiben.<\/p>\n<p>Aber eben nicht allein, sondern zusammen mit den kreativen, mutigen Verlagsmenschen hinter den Kulissen, die sich einfach nicht unterkriegen lie\u00dfen. Zusammen mit denen, die stur vor sich hin schreiben, redigieren, setzen, grafisch aufbereiten, und all den anderen Selbstst\u00e4ndigen, die voller Liebe am n\u00e4chsten lesenswerten Buch arbeiten.<\/p>\n<h3>Ein dickes Dankesch\u00f6n<\/h3>\n<p>All denen, die trotz aller Widrigkeiten beharrlich daran mitwirken, die mutige Entscheidungen treffen oder wom\u00f6glich nachts arbeiten, weil tags\u00fcber Kinder um sie herumwuseln (so wie es mir einst ging), m\u00f6chte ich heute ausdr\u00fccklich danken. Nicht nur f\u00fcr die spannenden Auftr\u00e4ge, die ich in diesem Jahr bearbeiten durfte, sondern ganz besonders f\u00fcr<\/p>\n<ul>\n<li>das n\u00e4chste eindrucksvolle Cover,<\/li>\n<li>jeden Fehler, der dank akribischer Redaktion aus dem Endmanuskript verschwunden ist,<\/li>\n<li>jede R\u00fcckmeldung &#8222;Verstehe ich anders &#8211; k\u00f6nnen Sie das vielleicht noch umformulieren?&#8220;,<\/li>\n<li>den n\u00e4chsten Roman, in den ich lesend abtauchen darf,<\/li>\n<li>die n\u00e4chste Story, die mich zum Lachen bringt,<\/li>\n<li>das n\u00e4chste Sachbuch, das Fakten so aufbereitet, dass es auch jemand versteht, der in dem Thema weniger firm ist,<\/li>\n<li>die Neuerscheinungen, die ich in die Weihnachtsp\u00e4ckchen packen durfte, weil mein Buchh\u00e4ndler sie auch ohne Buchmessen aufgest\u00f6bert hat,<\/li>\n<li>das Durchforsten der Agenturvorschl\u00e4ge nach dem n\u00e4chsten vielversprechenden Titel, der ins Programm passen k\u00f6nnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ziehen wir uns also alle miteinander in die weihnachtliche B\u00fccherschwemme zur\u00fcck &#8211; das ist gerade genau das Richtige, um trotz aller W\u00fcnsche nach echten Begegnungen gut aufeinander zu achten und auch uns selbst etwas Gutes zu tun. Irgendwie schaffen wir es durch diesen Winter. Irgendwie werden wir gemeinsam Neues in Gang bringen und anschieben. Aber jetzt ist Zeit f\u00fcr eine Pause, und ich w\u00fcnsche Ihnen, dass Sie dazu die n\u00f6tige Mu\u00dfe finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dezember 2020.\u00a0Normalerweise schicke ich im Advent dankbare Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe an die Lektoren und Lektorinnen meiner Verlage, gern mit einer pers\u00f6nlichen Bemerkung. Aber wie erreiche ich Sie dieses Jahr? Und wohin soll ich etwas schicken? Die ausgefallene Buchmesse Leipzig war im M\u00e4rz der erste harte Schnitt, die massiv gekappte Frankfurter Buchmesse im Oktober der zweite. 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