{"id":521,"date":"2016-07-20T13:03:14","date_gmt":"2016-07-20T12:03:14","guid":{"rendered":"http:\/\/german-book-translator.de\/?p=521"},"modified":"2016-07-22T16:51:28","modified_gmt":"2016-07-22T15:51:28","slug":"buecher-uebersetzen-teil-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.german-book-translator.de\/index.php\/buecher-uebersetzen-teil-9\/","title":{"rendered":"B\u00fccher \u00fcbersetzen &#8211; Teil 9"},"content":{"rendered":"<p><em>Immer wieder berichten mir Kollegen im Literaturbetrieb, dass man ihnen zwar wunderbare Projekte anbietet, aber zu unterirdischen Honoraren. Als \u201eunterirdisch\u201c bezeichnen wir hier alle Honorare oder Beteiligungsmodelle, bei denen man bei konzentrierter Arbeit ohne Herumtr\u00f6deln in der produktiven Arbeitszeit keinen ausk\u00f6mmlichen Stundensatz erzielen kann.<\/em><\/p>\n<p>Zur realistischen Arbeitszeitberechnung verweise ich auf <strong>Teil 7<\/strong> dieser Reihe, <strong><a href=\"http:\/\/german-book-translator.de\/index.php\/buecher-uebersetzen-teil-7\/\" target=\"_blank\">Ein faires Honorar f\u00fcr Literatur\u00fcbersetzungen<\/a><\/strong>; zur grunds\u00e4tzlichen Kalkulation auf <strong>Teil 6, <a href=\"http:\/\/german-book-translator.de\/index.php\/bucher-ubersetzen-teil-6\/\" target=\"_blank\">Finanzplanung<\/a>.<\/strong> \u00dcber die\u00a0aktuelle Honorarsituation informiert\u00a0die im Fr\u00fchjahr ver\u00f6ffentlichte <a href=\"http:\/\/www.literaturuebersetzer.de\/download\/uebersetzer\/vdue-honorarumfrage-2015.pdf\" target=\"_blank\">Honorarumfrage des Vd\u00dc von 2015 (PDF)<\/a>.<\/p>\n<h2>Teil 9: Honorarfallen f\u00fcr Kreative<\/h2>\n<p>Kreative wie \u00dcbersetzer, Texter oder Grafiker tappen sehenden Auges immer wieder in bestimmte Fallen, und die sehen wir uns heute n\u00e4her an.<!--more--> Weil ich jede dieser Fallen pers\u00f6nlich kenne, habe ich eine Checkliste entwickelt, die ich schon w\u00e4hrend des Erstkontakts einsetze. Ganz altmodisch auf Papier, damit kein Punkt untergehen kann.<\/p>\n<h3>Anf\u00e4ngerfehler?<\/h3>\n<p>Im Juni 2016\u00a0h\u00f6rte ich in drei verschiedenen Veranstaltungen f\u00fcr Nachwuchs\u00fcbersetzer (die ihren Bachelor\/Master in der Tasche hatten!) den Satz: \u201eIch bin ja Anf\u00e4nger, da kann ich nicht mehr verlangen.\u201c Stimmt so nicht! Der Verlag m\u00f6chte sein Buch anst\u00e4ndig \u00fcbersetzt haben und plant daf\u00fcr bereits beim Einkauf der \u00dcbersetzungsrechte ein bestimmtes Budget ein.<\/p>\n<p>Mit Anf\u00e4ngern zusammenzuarbeiten, birgt f\u00fcr den Verlag ein gewisses Risiko und kann f\u00fcr den betreuenden Lektor und die Schlussredaktion m\u00f6glicherweise einen etwas erh\u00f6hten Aufwand bedeuten. Andererseits arbeiten Anf\u00e4nger ganz besonders akribisch (schlie\u00dflich wollen sie sich bew\u00e4hren und hoffen auf Folgeauftr\u00e4ge) und brauchen f\u00fcr dieselbe Arbeit vermutlich etwas mehr Zeit als ein erfahrener Kollege \u2013 kein Grund f\u00fcr ein schlechteres Seitenhonorar!<\/p>\n<blockquote><p><strong>Tipp 25 f\u00fcr angehende Literatur\u00fcbersetzer:<\/strong> Es wird immer jemanden geben, der es billiger macht. Ein faires Seitenhonorar sorgt f\u00fcr einen freien Kopf und volle Konzentration auf das Projekt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der beste Beweis f\u00fcr eine mutige Anf\u00e4ngerin ist aktuell die Amerikanerin Deborah Smith, die Han Kang, junge koreanische Autorin, so bekannt machte, dass diese im Mai 2016 den renommierten Man Booker International-Preis mit ihr teilte. Der Guardian hat \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/books\/2016\/may\/21\/my-writing-day-han-kang-deborah-smith\" target=\"_blank\">Zusammenarbeit <\/a>der beiden berichtet.<\/p>\n<h3>Tolles Thema \u2013 begrenztes Budget<\/h3>\n<p>\u201eLeider haben wir f\u00fcr diese \u00dcbersetzung kein h\u00f6heres\u00a0Budget.\u201c Schon mal geh\u00f6rt? Zum Gesamtbudget geh\u00f6ren: Die Beteiligung f\u00fcr den Autoren, die Kosten f\u00fcr den Agenten und\/oder die \u00dcbersetzungsrechte vom ausl\u00e4ndischen Verlag, \u00dcbersetzung, Redaktion, ein neues Cover, Umsetzung in Print und digitale Medien, Vertrieb und vieles mehr. Das sind hohe Einstiegskosten, und nat\u00fcrlich versucht ein Verlag, an jeder Stellschraube ein bisschen zu drehen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Tipp 26 f\u00fcr angehende Literatur\u00fcbersetzer:<\/strong> Wenn der Verlag nicht kostendeckend kalkuliert, ist das nicht dein Problem.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wieso darf ein Buch auf keinen Fall mehr kosten als eine gute Zeitschrift oder eine Kinokarte? Wenn die Leser partout nicht bereit sind, auch f\u00fcr die \u00dcbersetzung einen angemessenen Anteil zu zahlen, stellt sich die Frage, ob es wirklich so wichtig ist, dass ausgerechnet dieses Buch \u00fcbersetzt wird.<\/p>\n<p>Bei Werken mit einem hohen k\u00fcnstlerischen Wert oder wenn eine wenig bekannte Kultur erschlossen werden soll, kann der Verlag die Bewerbung um ein passendes Stipendium unterst\u00fctzen. Der Vd\u00dc informiert regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber <a href=\"http:\/\/psdb.literaturuebersetzer.de\/index.php?test_cookies\" target=\"_blank\">Preise und Stipendien f\u00fcr \u00dcbersetzer<\/a>. Frauen scheinen hier \u00fcbrigens mal wieder besonders sozial zu ticken: Wir erledigen nicht nur einen Gro\u00dfteil der \u00dcbersetzungen, sondern nehmen daf\u00fcr auch weniger Geld als die m\u00e4nnlichen Kollegen (Seite 2 und Seite 6 der eingangs erw\u00e4hnten Honorarumfrage).<\/p>\n<h3>Die Sache mit dem Flow<\/h3>\n<p>Aber warum \u00fcbersetzen manche Leute notfalls sogar \u201ef\u00fcr umme\u201c? Interessante Denkanst\u00f6\u00dfe liefert dazu\u00a0das\u00a0YouTube-Video von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=u6XAPnuFjJc\" target=\"_blank\">RSA ANIMATE: Drive: The surprising truth about what motivates us<\/a>. Der Tenor: Pers\u00f6nliche Zufriedenheit und Topleistung erzielt man bei geistig-kreativen T\u00e4tigkeiten \u00fcber die Kombination der Faktoren Autonomie, K\u00f6nnen und Sinnhaftigkeit.<\/p>\n<p>Diese Faktoren greifen ab dem Moment, wo die Grundbed\u00fcrfnisse gedeckt sind, und sind eine typische Falle f\u00fcr Berufsanf\u00e4nger kurz nach dem Studium, die von ihrer bisherigen Situation ausgehen und sich vielleicht zun\u00e4chst mit einer anderen T\u00e4tigkeit \u00fcber Wasser halten.<\/p>\n<p>Wir Kreativen\u00a0lieben die selbstbestimmte Arbeit (Autonomie) an einem f\u00fcr uns und andere wichtigen Thema (Sinn), bei der wir obendrein immer besser werden (K\u00f6nnen). Da kommt leicht das Gef\u00fchl auf, dass man netterweise f\u00fcr etwas bezahlt wird, das so viel Spa\u00df macht, dass man es glatt umsonst t\u00e4te. Dabei beginnt bei \u00dcbersetzern schnell derart der Kopf zu rauchen, dass man in einen\u00a0kreativen Flow ger\u00e4t.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Tipp 27 f\u00fcr angehende Literatur\u00fcbersetzer:<\/strong> Wenn der angebotene Auftrag nach Traumjob klingt \u2013 zur\u00fcck auf den Teppich! Ist das angebotene Honorar so bemessen, dass du davon so lange leben und alle Verbindlichkeiten erf\u00fcllen kannst, bis auch der nachfolgende Auftrag erledigt und bezahlt ist?<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn nicht, solltest du den Auftrag ablehnen. Diese Regel gilt insbesondere f\u00fcr alle, die nur hin und wieder nebenbei ein Buch \u00fcbersetzen, weil es nun einmal so viel Spa\u00df macht. Kann man machen, klar. Aber willst du wirklich mit deiner sonstigen Arbeit den Buchhandel\u00a0sponsern? Es gibt keinen vern\u00fcnftigen Grund, warum alle mit dem Buch Geld verdienen, nur die \u00dcbersetzerin nicht.<br \/>\n&#8212;<br \/>\n<em>War dieser Beitrag hilfreich? Ich freue mich \u00fcber R\u00fcckmeldungen und Kommentare. Alle \u00e4lteren Beitr\u00e4ge mit \u201eTipps f\u00fcr angehende Literatur\u00fcbersetzer\u201c findet ihr mit der Suchfunktion unter dem Stichwort \u201eB\u00fccher \u00fcbersetzen\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder berichten mir Kollegen im Literaturbetrieb, dass man ihnen zwar wunderbare Projekte anbietet, aber zu unterirdischen Honoraren. Als \u201eunterirdisch\u201c bezeichnen wir hier alle Honorare oder Beteiligungsmodelle, bei denen man bei konzentrierter Arbeit ohne Herumtr\u00f6deln in der produktiven Arbeitszeit keinen ausk\u00f6mmlichen Stundensatz erzielen kann. 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